Kohlenstoff-Senke Pflanzenkohle
In einem gemeinsamen Projekt mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) untersucht LESANDO, wie sich Pflanzenkohle in Lehmputzen einsetzen lässt. Die Idee: Der in Pflanzenkohle gebundene Kohlenstoff bleibt stabil – und kann so auch im Baustoff langfristig gespeichert werden. Dafür werden verschiedene Mischungen geprüft und ihre Eigenschaften getestet, etwa in Bezug auf Verarbeitung, Festigkeit und Feuchteregulierung. Das Projekt zeigt, wie traditionelle Baustoffe mit neuen Ansätzen kombiniert werden können, um das Bauen klimafreundlicher zu machen.Wie Pflanzenkohle entsteht
Pflanzenkohle entsteht, wenn Holz oder andere Biomasse unter Sauerstoffausschluss erhitzt wird – ein Prozess, der als Pyrolyse bekannt ist. Dabei verkohlen die Stoffe, ohne zu verbrennen, und der Kohlenstoff bleibt in fester Form erhalten.
Das Ergebnis ist ein leichtes, poröses Material mit großer Oberfläche. Diese Struktur kann Feuchtigkeit und Moleküle binden – ideal in Kombination mit Lehm. Gleichzeitig lässt sich die bei der Pyrolyse entstehende Wärme energetisch nutzen, wodurch der Prozess nahezu energieautark läuft.
Kohlenstoffbindung im Baustoff
Der Kohlenstoff in der Pflanzenkohle bleibt über Jahrzehnte gebunden. Eingemischt in Lehmputz entsteht daraus ein dauerhafter Speicher – eine Art Kohlenstoff-Senke im Gebäude.
Jede Tonne Pflanzenkohle im Putz steht für etwa drei Tonnen CO₂, die langfristig aus der Atmosphäre entfernt bleiben. Damit wird der Baustoff selbst zu einem aktiven Bestandteil des Klimaschutzes, ohne seine handwerklichen Eigenschaften zu verlieren.

Anwendung in der Praxis
Beide Materialien ergänzen sich bauphysikalisch: Lehm reguliert Feuchtigkeit, die Poren der Pflanzenkohle verstärken diesen Effekt. So entsteht ein Putzsystem, das auf natürliche Weise Raumklima und Materialstabilität verbessert – und dem Handwerk eine neue, nachhaltige Option bietet.
Wirkung im Putz
In der Praxis zeigt sich: Lehmputze mit Pflanzenkohle sind leichter, lassen sich gut verarbeiten und zeigen weniger Rissbildung. Auch größere Schichtstärken sind problemlos möglich. Die Porenstruktur der Pflanzenkohle verbessert Feuchteausgleich und Raumklima, bindet Gerüche und trägt zu einem spürbar angenehmeren Innenraum bei.
Die Oberfläche wirkt trockener, bleibt aber diffusionsoffen – ein Vorteil besonders bei Sanierungen und im Holzbau. Langzeittests zeigen zudem eine stabile Haftung und kaum Veränderungen bei wiederholtem Feuchtewechsel.

Ausblick
Das Zusammenspiel von Lehm und Pflanzenkohle eröffnet neue Wege im ökologischen Bauen. Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass sich der Baustoff technisch bewährt und zugleich einen messbaren Klimabeitrag leisten kann. Damit entsteht ein Ansatz, der wissenschaftliche Erkenntnisse und handwerkliche Erfahrung auf überzeugende Weise verbindet. Entscheidend bleibt dabei, den ökologischen Vorteil durch realistische Anwendungstests abzusichern und in Standards zu überführen.
Langfristig könnte aus dieser Forschung eine neue Kategorie von Baustoffen entstehen – Materialien, die nicht nur emissionsarm hergestellt werden, sondern aktiv Kohlenstoff speichern. Für Planer und Handwerker bedeutet das: Klimaschutz wird zu einem festen Bestandteil der Materialwahl. Was heute als Forschungsprojekt begonnen hat, zeigt schon jetzt, welches Potenzial im bewussten Umgang mit natürlichen Rohstoffen steckt.